4. Mai 1945
a) Notiz Rudolf Pauls über das bevorstehende Gespräch mit dem amerikanischen Stadtkommandanten
G e r a, 4. Mai 1945
Der Militär-Gouverneur von Gera, Kpt. Satterfield, bestellte mich durch Herrn Landrat Drechsler Der frühere Sozialdemokrat Hermann Drechsler, nach seiner Haft im KZ Buchenwald zur KPD übergetreten, wurde im April 1945 vom Geraer Antifa-Komitee mit dem Aufbau der kommunalen Selbstverwaltung im Landkreis Gera beauftragt und von der amerikanischen Militärregierung zum Landrat des Landkreises Gera ernannt. zu einer Rücksprache für den 5. Mai ins hiesige Rathaus. Herr Kpt. Satterfield läßt mich wissen, daß er den Bürgermeister Becker Karl Becker (geb. 1885) war 1936 zum 1. Beigeordneten der Stadt Gera mit der Amtsbezeichnung „Bürgermeister“ ernannt worden; seit 1940 nahm er stellvertretend die Amtsgeschäfte des NS-Oberbürgermeisters Otto Zinn wahr, der 1940/42 u. 1943/45 bei der Wehrmacht und zwischenzeitlich zu Kuraufenthalten abwesend war; mit Wirkung vom 5.5.1945 wurde Becker unter Verlust der Bürgerrechte amtsenthoben, verhaftet und interniert; auf der Grundlage des Thüringer Reinigungsgesetzes v. 23.7.1945 am 12.10.1945 offiziell als Beamter entlassen seines Amtes entheben werde und daß er mich mit der Führung der Geschäfte des Oberbürgermeisters der Stadt Gera betrauen will. Ich erkläre dem Herrn Landrat Drechsler und einem Mitglied des Antifaschistischen Komitees, Der diese Notiz gegenzeichnende Walter Schack, Mitglied im Antifa-Komitee Gera, im Mai 1945 Stadtratsmitglied und Polizeidirektor von Gera. daß ich in Verhandlungen mit dem Gouverneur von Jena stehe, der mich zum Oberbürgermeister von Jena und zum Landrat von Stadtroda in Personalunion ernennen will. Im Jenaer Stadtarchiv sind dafür keine Belege ermittelbar. Ich sage mein Kommen für den nächsten Tag zu.
Dr. Paul
Schack

Quelle : Stadtarchiv Gera, III C 04, Nr. 0415 (PA Rudolf Paul), Bl. 1r (ms. Ausfertigung).