b) Generalverfügung über die Vertretung nach außen
Generalverfügung Nr. 5
- Vertretung des Oberbürgermeisters nach außen -
Zur Vertretung der Stadt nach außen, in Sonderheit zu Äußerungen über die derzeitige wirtschaftliche und politische Lage, soweit diese Äußerungen für einen größeren Kreis von Personen bestimmt sind, ist in erster Linie der Oberbürgermeister legitimiert. Die Umstände der Zeit haben es mit sich gebracht, daß im Augenblick in der Hand des Oberbürgermeisters viel weitgehendere Aufgaben und damit Vollmachten vereinigt sind, als sie es früher waren und als sie sonst im Gemeinderecht vorgesehen sind. Bei dem von mir unternommenen Versuch, in dem äußeren und auch inneren, in Sonderheit in wirtschaftlicher Beziehung bestehenden Schutthaufen in der Stadt, Ordnung zu bringen, muß alles vermieden werden, was geeignet ist, der von mir angestrebten Befriedung im Wirtschaftsleben und dem Wiederaufbau unserer engeren Heimat, entgegenzuarbeiten. Deshalb verfüge ich, daß, soweit Beamte der Stadt in Betriebsversammlungen, wie überhaupt in größeren Versammlungen sprechen, sie dabei nach außen hin als mein Vertreter aufgefaßt werden müssen, sich an das zu halten haben, was ich in der Öffentlichkeit vertrete und zum Ausdruck gebracht habe. Es ist untragbar und untergräbt geradezu meine Arbeit, wenn von Beamten, wobei ich selbstverständlich davon ausgehe, daß sie es in der besten und wohlmeinendsten Absicht getan haben, doch trotz alledem Äußerungen geschehen, die sich nicht mit den meinen decken und die dadurch geeignet sind, Unruhen in die Bevölkerung zu bringen. Daher lege ich allen Beamten und Angestellten dringend nahe, sich bei ihren Äußerungen einer eigenen scharfen Selbstkritik zu unterziehen. Sie ziehen mit mir an einem Strang und der darf nicht durch Hineinschneiden dieses oder jenes gefährdet werden.
G e r a, 8. Juni 1945

Quelle: Stadtarchiv Gera, III C 01, Nr. 0043, Bl. 4r (ms. Ausfertigung).