9.Juli 1945
Niederschrift über das zweite Treffen von Vertretern der BdS- und KPD-Landesleitungen
Eggerath Weimar, den 10. 7. 1945
Die zweite gemeinsame Besprechung der Landesleitungen der SPD (Bund demokratischer Sozialisten) und der Kommunistischen Partei Thüringenam 9. Juli in Weimar.
Laut Beschluss der ersten gemeinsamen Sitzung der Landesleitungen beider Parteien fand am 9. Juli im Parteihaus, Goetheplatz 11 eine zweite gemeinsame Besprechung statt.Es waren auch in dieser Sitzung je 6 Vertreter der beiden Parteien anwesend.
Nachdem Genosse Busse Mai bis August 1945 1. Sekretär der (provisorischen) KPD-Bezirksleitung Thüringen. die Namen der anwesenden Vertreter verlesen hatte, wies er darauf hin, dass die vorbereitende Besprechung der 4 Genossen von der kommunistischen Partei und der SPD, die ein für Thüringen konkretisiertes Aktionsprogramm ausarbeiten sollten, nicht stattfinden konnte, da Genosse Brill wegen wichtiger Besprechungen mit dem russischen Kommandanten zu dieser Besprechung nicht erscheinen konnte.
Anschliessend ergriff Genosse Brill von der SPD (Bund demokratischer Sozialisten) das Wort und teilte mit, dass am 8. Juli 1945 in Weimar eine Landeskonferenz der SPD (B.d.S.), Landesverband Thüringen, stattgefunden hatte, auf der die Landesleitung gewählt wurde, die sich wie folgt zusammensetzt:
Vorsitzender: Dr. Hermann Brill, Weimar, Reg. Präsidium.
Stellvertreter: Heinrich Hoffmann, Erfurt, Klausewitzstr. 16
Schriftführer: Walter Federbusch, Jena, Neu-Wöllnitz Nr. 42 Kassierer: Karl In der Vorlage Paul Buchmann. Buchmann, Erfurt, Zur guten Hoffnung Nr. 27
Als Beisitzer: Gustav Brack, Weimar; Otto Steinbrück, Arnstadt; Kurt Böhme, Jena; Ida Karthäuser, Weimar; Otto Kästner, Altenburg; Marie Carnarius, Weimar.Genosse Brill teilte dann ferner mit, dass für die politische Tätigkeit der SPD (B.d.S.) massgebend sei:
1.) Der Befehl Nr. 2 des obersten Chefs der sowjetischen militärischen Administration, Marschall Shukow und des Stabschefs der sowjetischen militärischen Administration Gen. Oberst W.W. Kurasow vom 10. Juni 1945
2.) Das Manifest der Demokratischen Sozialisten aus dem Konz. Lager Buchenwald, sowie der Aufruf des Berliner Centralausschusses der Soz. Demokratischen Partei Deutschlands vom 15. Juni 1945.Das Buchenwalder Manifest und der Aufruf des Berliner Centralausschusses würden auf einem noch einzuberufenden Reichsparteitag der S.P.D. in einem einheitlichen Programm zusammengefasst werden.Genosse Brill erklärte weiter, dass die demokratischen Sozialisten auf 2 Wegen zur Einheit gelangen wollen.
1.) Zur sozialistischen Einheit auf dem Wege des gemeinsamen Kampfes.
2.) Auf dem des organisatorischen Zusammenschlusses in der Arbeitsgemeinschaft zwischenK.P.D. u. S.P.D., bei Bildung von örtlichen Arbeitsausschüssen.Ferner sei man seitens des Bundes demokratischer Sozialisten der Meinung, dass in zwei Dingen keine Sonderorganisationen zu bilden seien:im Sport und in der Wohlfahrt.In beiden Fällen müsse auf eine einheitliche Bewegung hingearbeitet werden.
Zu dem Vorschlag des Thüringer Aktionsprogrammes bitte er eine neue vorbereitende Besprechung anzuberaumen, in der der bereits vorliegende Entwurf seitens der Landesleitung der Kommunistischen Partei Thüringens gemeinsam zu besprechen und dann zur Beschlussfassung vorzulegen sei. (Den Entwurf fügen wir hiermit bei)
In der darauf folgenden Diskussion zu dem Entwurf erklärte u.a. der Genosse Hoffmann vom B.d.S., dass die demokratischen Sozialisten die in Berlin von ihrem Centralausschuss mit dem Centralkomitee der kommunistischen Partei getroffene Vereinbarung Hs. unten eingefügt; gemeint ist die Vereinbarung über einen gemeinsamen zentralen Arbeitsausschuss v. 19.6.1945, abgedr. in: Dokumente und Materialien (1959D), S. 41f. nicht billig ten , Hs. korrigiert. da sie ihnen nicht weit genug gehen. Die demokratischen Sozialisten strebten den Zusammenschluss zu einer einheitlichen Arbeiterpartei an. Mit ähnlichen Worten preschte Hoffmann – seiner eigenen späteren Darstellung zufolge – auf der Jenaer KPD-SPD-Funktionärskonferenz am 19./20.1.1946 mit dem Antrag auf einen rasch einzuberufenden Vereinigungsparteitag vor - LATh-HStA Weimar, BPA, V/6/6-020, Bl. 71 (Hoffmann: Bericht über die Vereinigung von KPD und SPD in Thüringen Juli 1945 – April 1946, S. 92 ); vgl. dazu auch Kachel: Ein rot-roter Sonderweg (2011/F), S. 358.
Um zu einem vorläufigen positiven Ergebnis in dieser zweiten gemeinsamen Besprechung zu gelangen, wurde auf Vorschlag des Gen. Busse von der Landesleitung der Kommunistischen Partei die beigefügte Erklärung: An das werktätige Volk Thüringens! einstimmig beschlossen.
Die Erklärung wird an die Ortsgruppen der beiden Parteien als Plakat verschickt und zum Anschlag gebracht. Der Aushang der z.T. bereits gedruckten Erklärung wurde von der sowjetischen Kommandantur verboten, weil sie vor Drucklegung nicht zur Genehmigung vorgelegt worden sei; bereits ausgehängte Plakate mussten entfernt werden; vgl. den im Rundschreiben Nr. 3 des BdS/SPD-Landesvorstandes dazu abgedruckten Schriftwechsel (LATh-HStA Weimar, BPA, V/6/6-018, Bl. 90r, 90v; zur veränderten, von Hermann Brill nicht mehr unterschriebenen Erklärung v. 8.8.1945 vgl. Dok. 27 b.
Nach Abschluss der beschlossen[en] gemeinsamen Vorbesprechungen über das Thüringer – Antifaschistische – Aktionsprogramm wird eine weitere gemeinsame Sitzung der je 6 Vertreter der beiden Parteien stattfinden.

Anlage!

Quelle: Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR, Zentrales Parteiarchiv [der SED], DY 30, IV 2/5, Nr. 4974, Bl. 15r, 16r (ms. Ausfertigung); nahezu wortgleich überliefert in: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Bezirksparteiarchiv der SED Erfurt , V/5-028, Bl. 31r, 32r (Richard Eyermann: Erinnerungen vom Kampf um die Herstellung der Einheit der Arbeiterklasse vom April-Mai 1945 bis zum Vereinigungsparteitag mit Dokumenten).