16. Juli 1945
Niederschrift über die Einsetzung des Präsidiums der Landesverwaltung

Sitzung 16. Juli 1945

Anwesend: 1. Garde-Generaloberst Tschuikow, Chef der Militär Administration 2. Generalmajor Kolesnitschenko (Vertreter für zivile Angelegenheiten sowie Chef der Verwaltung der Sowjet Militär Administration) 3. General Pronin In der Vorlage „Bronin“; Generalleutnant Alexei M. Pronin war 1945/46 Chef der Politischen Verwaltung der GSBSD. 4. Generalmajor Beschanow Generalmajor Grigori A. Beschanow war 1945/46 Chef des Operativen Sektors des NKWD/MWD für das Land Thüringen. 5. Regierungspräsident Dr. Brill 6. Oberbürgermeister Dr. Paul 7. Regierungsdirektor Busse 8. Regierungsdirektor Wolf 9. Regierungsdirektor Dr. Kolter 10. Regierungsdirektor Dr. Appell
Generaloberst Tschuikow setzt im Namen und auf Befehl des Marschalls der Sowjet-Union Shukow, dem Hauptchef der Sowjet Militär Administration und Oberbefehlshaber der sowjetischen Besatzungstruppen Deutschlands eine neue Verwaltung des Landes Thüringen ein mit folgender Maßgabe:
1. Präsident des Landes Thüringen Dr. Rudolf Paul,2.1. Vizepräsident Herr Ernst Busse,3.2. Vizepräsident Dr. Georg Appell,4.3. Vizepräsident Dr. Max Kolter.
Herr Regierungspräsident Dr. Brill wird nach Berlin berufen werden und soll dort anderweite Verwendung finden.
Generaloberst Tschuikow führt aus, die faschistischen Organisationen und ihre Träger sind zu liquidieren. Es muss aber nicht nur ein äusserer, sondern auch ein innerer Umbau des Menschen, ein solcher seines Bewusstseins stattfinden. Das ganze Leben muss auf eine neue demokratische Grundlage gestellt werden. Die von Marschall Shukow eingesetzte neue thüringische Landesverwaltung stellt einen Block der antifaschistischen Parteien dar.
In die Wirtschaft ist Ordnung zu bringen. Vordringendste Aufgabe ist das restlose Einbringen der Ernte. Das Ingangsetzen der Wirtschaft muss genau geplant werden. Das Transportwesen Thüringens ist zu organisieren.
Über das Erscheinen der Presse ist ein Plan aufzustellen und zwar vor allem auch hinsichtlich Einrichtungs- und Verbreitungsmöglichkeit.
Das Problem der Verbindung der einzelnen Kreise mit der Zentrale Weimar ist zu lösen, zunächst unter Einschaltung der Verbindungsmöglichkeiten durch den Generalobersten und die ihm unterstellte militärische Organisation.
Dem Gesundheitswesen muss besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Bezüglich epidemischer Krankheiten ist das Gesundheitsbild zufriedenstellend, dagegen ist erschwerend der hohe Prozentsatz geschlechtlicher Erkrankungen. Er beträgt zurzeit 15%. Dieser Prozentsatz dürfte unter der wirklichen Zahl zurückbleiben. Ich werde beauftragt, einem Zunehmen dieser Krankheit entgegen zu treten, insbesondere schwebt der russischen Militärverwaltung vor, dass jeder einzelne Mann und jede einzelne Frau gehalten ist, sich untersuchen und bei Krankheitsbefund heilen zu lassen. Soweit der Patient unzuverlässig ist und damit Träger weiterer Gefahr wird, ist er zu isolieren. Die russische Armee wird in dieser Form verfahren.
Zum Bildungswesen: Die Lehrer sind vorzubereiten, es sind Lehrbücher vorzubereiten.
Es ist eine Organisation von der Regierung aus bis ins letzte Dorf durchzuführen. Die Verbindung zwischen der Regierung und der Bevölkerung muss geschaffen werden.
Jedes Verwaltungsorgan wird nur durch die Militär Administration anerkannt.

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten , Nr. 459, Bl. 32r, 33r (ms. Ausfertigung); abgedr. in: Um ein antifaschistisch-demokratisches Deutschland (1968/D), S. 95f. u. Berichte (1989/D), S. 63-65.