8. August 1945
Aufruf mit erneuter Vereinbarung der KPD-Bezirksleitung und der SPD-Landesleitung über einen gemeinsamen Arbeitsausschuss

An das werktätige Volk Thüringens! Vgl. auch die mit der gleichen Überschrift plakatierte, aber von der Besatzungsmacht untersagte Erklärung v. 9.7.1945 über einen gemeinsamen Arbeitsausschuss (Dok. 10 c) u. zur Vorgeschichte Dok. 27 a; der Aufruf v. 8.8.1945wurde im KPD-Organ „Thüringer Volkszeitung“ am 16.8.1945 unter der Schlagzeile „Aktionseinheit für ganz Thüringen“ abgedruckt.
Am 8. August 1945 fand in Weimar eine gemeinsame Sitzung der Vertreter der Sozialdemokratischen Partei Thüringens und der Kommunistischen Partei Thüringens statt. Als Vertreter für die Sozialdemokratische Partei waren anwesend: Kurt Böhme, Gustav Brack, Adolf Bremer, Marie Canarius, Cäsar Thierfelder.
Als Vertreter für die Kommunistische Partei: Ernst Busse, Richard Eyermann, Stefan Heymann, Georg Schneider, Walter Wolf.
Die Aussprache verlief im Geiste gegenseitigen Vertrauens und war von dem festen Willen zur aufrichtigen Zusammenarbeit beider Parteien getragen. Als Ergebnis der Aussprache wurden folgende Vereinbarungen getroffen:
Es wird ein gemeinsamer Arbeitsausschuß aus je 6 Vertretern der beiden Landesleitungen geschaffen; dieser Ausschuß, ein Ausdruck der Aktionseinheit von Kommunistischer Partei und Sozialdemokratischer Partei, stellt sich folgende Aufgaben:
1. Enge Zusammenarbeit bei der Durchführung der gemeinsamen beschlossenen dringlichen Aktionsaufgaben zur Liquidierung der Ueberreste des Nazismus und zum Wiederaufbau des Landes auf sicherer Grundlage. Als die Voraussetzung hierzu wird der Aufbau einer antifaschistischen demokratischen parlamentarischen Republik betrachtet, die die Fehler und Schwächen der Vergangenheit vermeidet und dem schaffenden Volke alle demokratischen Rechte und Freiheiten sichert.
2. Sofortige Aufnahme von Verhandlungen mit den anderen antifaschistischen demokratischen Parteien zur Bildung eines festen antifaschistischen Blockes.
3. Gemeinsame Vertretung der Interessen des schaffenden Volkes in Stadt und Land in der Form von Arbeitsgemeinschaften.
4. Durchführung gemeinsamer Veranstaltungen beider Parteien.
5. Gemeinsame Beratung zur Klärung ideologischer Fragen.
Die Vertreter beider Parteien bekunden ihren festen Willen, alles zu tun, um auf den Wegen dieser Zusammenarbeit in allen Fragen des antifaschistischen Kampfes und des Wiederaufbaues die Voraussetzung für die

politische Einheit des werktätigen Volkes
zu schaffen. – Der gemeinsame Arbeitsausschuß der Landesleitung der Sozialdemokratischen Partei Thüringens und der Bezirksleitung der Kommunistischen Partei Thüringens fordert alle Organisationen beider Parteien in Kreisen und Gemeinden auf, ebenfalls gemeinsame Arbeitsausschüsse zu schaffen und in derselben Weise, wie es für das ganze Land Thüringens geschieht, zusammenzuarbeiten.
Kommunistische Partei DeutschlandsSozialdemokratische Partei DeutschlandsBezirksleitung ThüringenLandesleitung Thüringen
Ernst Busse
Heinrich Hoffmann
Richard Eyermann
Curt Böhme
Stefan Heymann
Gustav Brack
Hanna Melzer
Adolf Bremer
Georg Schneider
Marie Canarius
Walter Wolf
Cäsar Thierfelder

Quelle: Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR, Zentrales Parteiarchiv [der SED], SGY 41, III, Nr. 73/1, Bl. 8r-9v (gedruckt mit hs. Unterschriften); in gleicher Weise überliefert in: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Bezirksparteiarchiv der SED Erfurt , V/6/14-002, n. fol., als Nr. 7 bezeichnet; abgedr. in: Thüringer Volkszeitung, 16.8.1945; Nachdruck bei Siebert u.a.: Dokumente 1945-1950 (1967/D), S. 39f.