10. August 1945
Protokoll der Sitzung der Landesverwaltung über Entnazifizierung, Landesämter, Angestelltenverhältnis und Sitz des Oberlandesgerichtes

Sitzung am 10.8.45 15.30 Uhr

Herr Vizepräsident B u s s e eröffnet die Sitzung und wirft die Frage eines Amtes für Sozialwesen auf unter dem Namen „Landesamt für Sozialwesen“. Als Landesdirektor für Sozialwesen amtierte vom 10.8.-15.10.1945 Reinhard Lettau (parteilos); am 16.10.45 wurde das Landesamt mit dem Landesamt für Arbeit zum Landesamt für Arbeit und Sozialfürsorge unter Gustav Brack (SPD) zusammengelegt. Dieser Vorschlag wird einstimmig angenommen. Ferner wird bekannt gemacht, dass das Landesarbeitsamt seinen Personalbestand auf 85 Personen herabsetzen müsste. Die Personalfrage des Verkehrsamtes konnte noch nicht geklärt werden, da dort der Aufbau noch nicht vollendet ist. Dem Gesundheitsamt sind 41 Personen zugebilligt worden, aufgeteilt in 4 Abteilungen.
Im weiteren Verlauf der Sitzung wird der Vorschlag gemacht – und zwar auf Grund eines Vorschlages von seiten der Russen – dass es nur noch 3 Gruppen geben soll
1. die politischen Verantwortlichen,2. die technisch leitenden Personen,3. die Hilfskräfte
Ferner wird ein Beschluss gefasst, dass möglichst zum 1.10.45 eine allgemeine Änderung der Beamtenverhältnisse in Angestelltenverhältnisse durchgeführt sein soll.
Neueinstellungen sollen nur noch im Angestelltenverhältnis und nicht mehr im Beamtenverhältnis erfolgen.
Der Stadtrat Weimar teilt mit, dass er von den 4 Parteien einen Ausschuss bilden möchte und dass dieser zu allen Erörterungen mit herangezogen werden soll. Es wird dem zugestimmt, jedoch mit der Bemerkung, dass der Oberbürgermeister bei allem der Alleinverantwortliche ist.
Herr Vizepräsident Busse macht noch Mitteilung über die Anordnung der russ. Kommandantur, wonach die Verwaltung von allen ehemaligen Mitgliedern der NSDAP zu bereinigen ist. Es entstand eine Diskussion, in der insbesondere Herr Landesdirektor Kolter vom Landesamt für [Land- und] Ergänzt. Forstwirtschaft die Unmöglichkeit der sofortigen Säuberung für sein Amt darlegte. Er gibt Beispiele an, wo bei ihm noch Nationalsozialisten sitzen und er diese zurzeit nicht entlassen kann, da sonst ein Stillstand eintrete.
Herr Vizepräsident Busse gibt darauf bekannt, dass der Präsident zu dieser Art Säuberung eine Denkschrift an den russ. Kommandeur Gemeint ist der SMATh-Chef Tschuikow bzw. der SMATh-Verwaltungschef Kolesnitschenko. ausgearbeitet habe und darauf hinweist, dass er die Autorität der zivilen Verwaltung nicht spalten kann, wenn in dieser Form über die gemeinsamen Abmachungen hinweggegangen wird.
Herr Vizepräsident Busse teilt mit, dass von Jena ein Protest vorliege wegen der Verlegung des Oberland[es]gerichtes von dort nach Gera. Die Regierung hält dies für falsch und es soll alles getan werden um dies zu verhindern. Vgl. auch Dok. 35 b, e-h.
Zum Schluss teilt Herr Vizepräsident Busse noch seine Verhandlungen mit dem bisherigen Leiter der Präsidialkanzlei mit und bedauert, dass durch die Umlegung der zivilen Verwaltung die Sozialdemokratische Partei unbeabsichtigerweise In der Vorlage „unbeachtlicherweise“. von 3 auf 1 Mitglied herabgesunken ist. Er macht den Vorschlag, den Willen zur Zusammenarbeit und zur Parität dadurch zu unterstützen, dass man den Sozialdemokraten den Posten für das Landesamt des Innern gibt. Vgl. auch Dok. 19 c; am 16.8.1945 wurde Curt Böhme (SPD), der vom 1.6..-16.8.1945 die Präsidialkanzlei geleitet hatte, zum Landesdirektor des Landesamtes des Innern (seit 16.11.1945) für Kommunalwesen berufen. Nach einiger Diskussion wird dieser Vorschlag angenommen. Ende der Sitzung 16.45 Uhr.

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten , Nr. 459, Bl. 56/1r (ms. Ausfertigung).