17. September 1945
Schreiben Arno Barths an den Präsidenten der Deutschen Justizverwaltung Eugen Schiffer über die Personalunion als Leiter der Landesjustizverwaltung und als OLG-Präsident


Oberlandesgerichtspräsident Dr. Barth
Gera, den 17. Sept. 1945
HerrnReichsminister a.D.Dr. S c h i f f e r B e r l i n NW.7

Hochverehrter Herr Reichsminister!

Ich benutze die erste Gelegenheit, bei der Ihre neue Dienststelle in Erscheinung getreten ist, um mich Ihnen vorzustellen, wenn auch zunächst nur schriftlich. Ich hoffe, dass ich bald einmal Gelegenheit habe, die Vorstellung persönlich nachzuholen. Wie ich aus dem heutigen dienstlichen Bericht der Landesjustizverwaltung Thüringen zu ersehen bitte, führe ich bis auf weiteres die Geschäfte der Landesjustizverwaltung und des Oberlandesgerichtspräsidenten in Personalunion. Ich möchte diese Verkoppelung, die einen besonderen Vertrauensbeweis des Präsidenten des Landes Thüringen, des Herrn Dr. Paul darstellt, auch solange beibehalten, bis der personelle Aufbau der Gerichte und Staatsanwaltschaften einigermassen durchgeführt ist. Die Kompetenzen der Landesjustizverwaltung der Präsidialkanzlei/des Präsidialamtes gingen im Juni 1946 auf das neue Landesamt für Justiz unter Landesdirektorr Helmut Külz über; in einem am gleichen Tage an Schiffer geschickten Schreiben (Bl. 4r, 4v) benannt Barth den Amtsgerichtsrat Dr. Franz Adam als seinen ständigen Vertreter in der Leitung der Justizverwaltung. Denn ich sehe in diesem personellen Neuaufbau eine der wichtigsten Garantien, um antifaschistische Gesinnung in der Rechtsprechung für lange hinaus zu verankern.
In Ehrerbietung undganz ergebenst LBarth

Quelle: Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde , DP 1, Nr. 6, Bl. 3r (ms. Ausfertigung).