16. September 1945
Ausführungen des Landesvorsitzenden Max Kolter und des Geschäftsführers Paul Riedel vor dem erweiterten CDU-Landesvorstand zur Bodenreform


P r o t o k o l l
zur erweiterten Landesvorstands-Sitzung des Landesverbandes Thüringen der CDUD. am Sonntag, den 16. 9. 1945 zu Weimar in der Kaiserin Augusta. Hotel „Kaiserin Augusta“ in Weimar; im Anschluss fand dort noch eine weitere Sitzung des erweiterten provisorischen CDU-Landesvorstandes zu Organisationsfragen statt (Verhandlungsbericht in: ACDP, 03-031-199).

Herr R i e d e l eröffnete die Sitzung und begrüsste die Anwesenden. Es wurde ein Vorstand einberufen; die Damen und Herren nahmen am Vorstandstisch Platz.
Herr Vizepräsident Dr. K o l t e r Max Kolter, 3. Vizepräsident u. Landesdirektor des Landesamtes für Land- u. Forstwirtschaft; auf SMATh-Befehl v. 5.11.1945 (Dok. 66 a) amtsenthoben u. bis zu seinem Tode (27.12.1945) in der Universitätsklinik Jena in sowjetischem Arrest. wurde dann gebeten, das Wort zu ergreifen.
Insbesondere nahm Herr Dr. Kolter Stellung zu der Bodenreform. Er gab einige Auszüge aus den Regierungs-Sitzungen bekannt bezüglich dieser Frage und bemerkte hierzu, dass im Zusammenwirken mit den Massnahmen anderer Regierungen hier ein „Wettlauf der Dummheit“ vorläge.
Weiter führte Herr Dr. Kolter aus, dass, wenn wir diesen augenblicklichen Weg weiter schreiten, uns in einiger Zeit ins Uferlose verlieren würden.
Es folgten anschliessend grundsätzliche Darlegungen des Bodenreformgesetzes. Weiter wurde erörtert, dass die entschädigungslose Enteignung ein neues Unrecht sei. –
Herr Dr. Kolter bemerkte, dass Politik und Moral auch bei uns niemals voneinander getrennt werden dürften. Für den Staatsmann und Politiker bestehe die gleiche Pflicht wie für den einfachen Mann und Laien. Wäre diese Einheit – Politik und Moral – 1918 mehr gewahrt worden, wäre das nicht eingetreten, was wir heute sehen.
Dass die Bodenreform notwendig ist – so führte Herr Dr. Kolter weiter aus – darüber besteht kein Zweifel, aber die Art und Weise wie dieses geschieht, ist nicht befriedigend.
Über die allgemeine politische Lage führte Herr Dr. Kolter aus, dass es in dem augenblicklichen Tempo nicht weiter gehen könne, vor allem nicht mit der Tendenz. Es geht nicht, dass laufend bewährte Antifaschisten verhaftet werden u. dgl.
Es wurde auch die Zeitungsfrage gestreift und hierzu ausgeführt, dass die Verhandlungen in dieser Woche beendet sein sollen. Das CDU-Landesorgan „Thüringer Tageblatt“ erschien ab 1.5.1946. Hierzu gab Dr. Kolter noch eine kurze Darlegung über die diesbezügliche Verhandlung beim Russen. Abschliessend bemerkte Dr. Kolter, dass gewisse Parteien doch noch über Köpfe und nicht über Denunzianten und Lügner verfügen.
Herr R i e d e l dankte Herrn Dr. Kolter und bemerkte, dass es nun unsere Pflicht sei, der CDUD. in Stadt und Land nun zu dem Recht zu verhelfen, das ihr gebührt.
Anschliessend gab Herr Riedel einen Bericht über die politische Lage der Landes- und Reichsgeschäftsstelle. –
Bezüglich der Bodenreform entnehmen wir den Grad der freiwilligen Zustimmung, die Herr Dr. Hermes Dr. Andreas Hermes, Juni – Dezember 1945 1. Vorsitzender der (SBZ)-CDU; wegen seiner Haltung zur Bodenreform von der SMAD zum Rücktritt gezwungen. hat geben müssen. Er hat versucht, in dieser Hinsicht eine andere Richtung einzuschlagen, welches ihm jedoch nicht gelungen ist.
Über eine Sitzung der Regierung in Weimar bezüglich der Bodenreform Die Sitzung am 7.9.1945 anfangs auch mit den Vertretern der Parteien (Dok. 44 c). führte Herr Riedel aus: Folgende Fragen standen zur Debatte:
1. Sind die Parteien für eine Bodenreform?
2. Sind die Parteien für eine sofortige Bodenreform?
Die erste Frage wurde seitens der CDUD mit „Ja“, die zweite jedoch mit „Nein“ beantwortet; während alle anderen Parteien beide Fragen mit „Ja“ beantworteten.
Herr Riedel verlas noch Auszüge aus dem Regierungsprotokoll, in welchem von unserer Seite her ausgeführt wurde, dass eine umfassende ländliche Siedlung unter weitgehendster Heranziehung des Grundbesitzes erfolgen muss. Gleichzeitig betonte Herr Riedel, dass wir als einzige der vier zugelassenen Parteien den stärksten Hs. im Protokoll eingefügt. Ausbau des ländlichen Genossenschaftswesens fordern, wobei das Privateigentum gewahrt werden müsse.
Weiter wurde ausgeführt, dass daran zu denken sei, dass wir noch keinen endgültigen Frieden haben und die Frage der Ostgebiete noch geklärt werden müsse.
[…]


Quelle: Archiv für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung St. Augustin, 03-031-199, n. fol. (ms. Ausfertigung).