Nr. 54b)
Manifest
Es schloß sich an, An die Rede des Landespräsidenten. vom Generalintendanten des Nationaltheaters gesprochen das
Manifest
Der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands will nach zwölf Jahren nazistischer Barbarei wieder Anschluß gewinnen an die deutsche Kultur und an unsere großen Humanisten, Goethe, Schiller und Herder.Der Nazismus hat dieses Geisteserbe mißbraucht. Die deutsche Kultur wurde zu einem Werkzeug der verbrecherischen Kriegspolitik Hitlers, die deutsche Wissenschaft zu einer Handlangerin seiner Vernichtungspolitik. Der „totale Krieg“ endete in der nationalen Total-Katastrophe.Die Achtung vor dem deutschen Volk ist in der Welt verlorengegangen. Deutsche Armeen haben Kulturdenkmäler zerstört, beraubt, nationale Heiligtümer geschändet. Aber auch der deutsche Geist, die deutsche Kunst, die deutsche Wissenschaft hatten nicht die Kraft, die Hitlerbarbarei zu verhindern oder zu überwinden. Da war vor allem die Folge ihrer Absonderung vom öffentlichen Leben.Wir erkennen die Kriegsschuld Deutschlands an. Wir bekennen uns zur Wiedergutmachung. Wir fordern die Aburteilung der Kriegs- und Terrorverbrecher, wir fordern die Ausmerzung aller nazistischen Ideologie und ihrer Träger aus dem Kulturleben unseres deutschen Volkes. Eine Umkehr der Geister tut not. Unsere Aufgabe ist es, alle deutschen Männer und Frauen zu sammeln, die zur geistigen und kulturellen Erneuerung Deutschlands bereit sind. Der Bund soll das Kulturparlament unseres Landes sein. Er soll die geistigen und kulturellen Schätze des deutschen Volkes, die der Nazismus verschüttet hatte, verwalten und entwickeln. Er soll mithelfen bei der Erziehung des deutschen Volkes zur friedlichen Zusammenarbeit mit allen Völkern, zur Achtung vor den kulturellen Leistungen anderer Völker, insbesondere der Sowjet-Union. Wir dürfen unser Volk nicht der Verzweiflung überlassen. Wir brauchen Mut und Vertrauen in die Lebensfähigkeit eines deutschen Volkes, das frei von Nazismus und Militarismus, frei von allen reaktionären Übeln ist, würdig seiner großen Weimarer Humanisten Goethe, Schiller und Herder.Es folgt die Ansprache von Professor Dr. Heinrich Lilienfein.Was Schiller uns war, ist und bleibt.[…]

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 274, Bl. 375r, 376r (ms. Ausfertigung).