Nr. 60
23. November 1945
m) Notiz des Landesdirektors Kurt Böhme über seine Unterredung mit Landespräsident Rudolf Paul zur Behandlung korporativ in die NSDAP überführter Jugendlicher und in die zugelassenen Parteien Aufgenommener
Abschrift III LDBö/So.
Weimar, den 23. November 1945.
Der Herr Präsident wurde heute befragt, wie hinsichtlich der Entlassung der jungen Leute, die korporativ aus der HJ und dem BDM in die NSDAP überführt worden sind, verfahren werden soll. Ich vertrat den Standpunkt, daß die jungen Leute Gelegenheit bekommen müssen, sich zu bewährten. Das bedinge aber ihre Belassung in ihren Tätigkeiten. Denn nur so könne erwartet werden, daß die Jugend sich zum demokratisch-antifaschistischen Deutschland bekennen werde. Der Herr Präsident erklärte, daß in Sachsen durch Gesetz bereits die Belassung der jungen Leute im Amte verkündet sei Verordnung über die Behandlung ehemaliger Mitglieder der NSDAP v. 13.10.1945; vgl. auch Dok. 60 t. und so soll auch im Lande Thüringen verfahren werden. Die Angelegenheit werde umgehend der Administration zugeleitet und es soll daher vorerst nichts gegen die jungen Leute unternommen werden. Ich brachte dabei auch die Frage der Behandlung der Beamten und Angestellten zur Sprache, die inzwischen einer der vier antifaschistischen Parteien beigetreten sind. Nach einer Anordnung des Herrn Oberregierungsrate Bergner sollten diese Leute entlassen werden, um danach die Möglichkeit ihrer Wiedereinstellung zu überprüfen. Ich vertrat die Meinung, daß es zweckmäßiger sei, diese Leute einstweilen im Amte zu belassen, bis die Überprüfung ergibt, ob sie endgültig zu entlassen oder in ihrer Tätigkeit zu belassen sind. Der Herr Präsident war der gleichen Meinung und gab an, daß ich danach einstweilen verfahren sollte.
gez. B ö h m e

In Abschrift An Herrn Oberregierungsrat B e r g n e r,Präsidialkanzlei – im H a u s e zur Kenntnisnahme Böhme

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Ministerium des Innern, Nr. 3448, Bl. 168r (ms. Abschrift)