Nr. 81a
11. Dezember 1945
Stellungnahmen des Oberlandesgerichts- und des Geraer Landgerichtspräsidenten

Der Oberlandesgerichtspräsident
Gera, den 11. Dezember 1945

V e r m e r k
Herr Landespräsident Dr. P a u l ist 1933 vom damaligen Thür. Justizministerium durch Rechtsbeugung aus seinem Beruf als Rechtsanwalt und seinem Amt als Notar entfernt worden. Da Herr Landespräsident Dr. P a u l bei einem Ausscheiden aus seinem jetzigen Amt ohne Versorgungsansprüche dastehen würde, müsste er sich und seine Familie wieder als Rechtsanwalt und Notar ernähren, zumal ihm während der Nazizeit ein Broterwerb verboten war und er sein Vermögen aufzehren musste. Ich halte es deshalb für angebracht, ihm jetzt schon die Wiederzulassung als Rechtsanwalt und Notar zu gewähren. In Frage kommt die Zulassung als Rechtsanwalt am Landgericht und am Amtsgericht Gera und der Amtssitz Gera als Notar.
A [ rno ] Barth
An denHerrn Landgerichtspräsidenten G e r a
mit der Bitte um baldgefl. Stellungnahme, die ich unmittelbar an mich einzureichen bitte.Der Herr Präsident der Rechtsanwalt- und Notarkammer wird gesondert um seine Stellungnahme gebeten.
A [ rno ] Barth

Mit der wärmsten Befürwortung der Zulassung an den Herrn Oberlandesgerichtspräsidenten in Gera zurückgeleitet. Die Bedürfnisfragen kann unbedenklich noch bejaht werden. Über die persönliche Eignung erübrigen sich wohl Ausführungen.
Gera, am 11. Dezember 19 45 . Der Landgerichtspräsident. Harnisch

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Personalakten aus dem Bereich Justiz, Nr. 9051 (PA Rudolf Paul), Bl. 3r, 3v (ms. Ausfertigung mit hs. Eintrag).