Nr. 129b
29. Mai 1946
Schreiben Rudolf Pauls an Rektor Friedrich Zucker über Kontingent-Zusagen des Obersten SMAD-Chefs Wassili D. Sokolowski

Der Präsident des Landes ThüringenWeimar, den 29. Mai 1946 Empf. 29.5.46. Zucker
An denRektor der Friedrich-Schiller-Universität,Herrn Professor Dr. Z u c k e r J e n a

Magnifizenz!Ich bin glücklich, Ihnen mitteilen zu können, daß das Wohlwollen und Verständnis, welches Herr Marschall Shukow unserer Universität entgegenbrachte, uneingeschränkt auf seinen Nachfolger, Herrn Armeegeneral Sokolowski, den Obersten Chef der Sowjet-Militär-Administration und Oberkommandierenden der Gruppe der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland, übergegangen ist. Als ich gestern bei einer Konferenz in Berlin-Karlshorst Vgl. Dok 156. Gelegenheit hatte, Herrn Armeegeneral Sokolowski in Gegenwart seines Stabes und der Sowjet-Militär-Administrationen sowie der Präsidenten der deutschen Länder die Verhältnisse an unserer Universität und die Frage des akademischen Nachwuchses vorzutragen und dabei die Bitte aussprach, die Zahl der Studenten erhöhen zu dürfen, wurde ich in großzüger Weise bevollmächtigt, dies nach meinem Ermessen zu tun. Ich weiß mich mit Ihnen, den Professoren und Studenten sowie der Einwohnerschaft Jenas in der Freude über dieses Zugeständnis und in der Dankbarkeit darüber einig. Um baldigst im Rahmen der Vollmacht Studenten zulassen zu können, bitte ich Sie sehr, mir darüber Vorschläge zu machen, wie viel Studierende bei den vorhandenen Hörsälen und Lehrkräften noch aufgenommen werden können. Dabei bitte ich zugleich um Mitteilung der Maßnahmen, die Sie für geboten halten, um sicherzustellen, daß nicht Reaktion und Nazismus beim Zuwachs einziehen.Kommenden Sonnabend, 10 Uhr, beabsichtige ich in der Aula zur Studentenschaft zu sprechen.
Dr. Paul. (Dr. Paul)

Quelle: Universitätsarchiv Jena [der FSU Jena], Best. BB, Nr. 2, Bl. 177r, 178r (ms. Ausfertigung); auch überliefert in: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 1779, Bl. 163r, 163v.