Nr. 137c
13. Mai 1946
Schreiben des Generalsekretärs des LDP-Landesverbandes Heinz Büchsenschütz an Landespräsident Rudolf Paul mit der Abschrift von Richtlinien für Entschließungen zur Verstaatlichung sequestrierter Betriebe und zum Umgang mit „Verbündeten“

Weimar, 13. 5. 1946.
Liberal-Demokratische ParteiLandesverband ThüringenDer Generalsekretär [ Eingangsstempel Präsidialamt ]
Unser Schreiben vom 8.5.Dr. B/Pf.
An denHerrn Landespräsidenten Dr. Paul W e i m a r

Betreff: Betriebsversammlungen
Sehr geehrter Herr Präsident !In der Anlage erlaube ich mir, Ihnen die Abschrift einer weiteren Richtlinie zu übermitteln, die beispielsweise in Erfurt zur Vorbereitung der Entschliessung der Belegschaft sequestrierter Betriebe in Umlauf gewesen ist.
Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung !
Dr.Büchsenschütz
(Dr. Büchsenschütz)


[Abschrift]
Richtlinien für die Entschließung der Belegschaft bei der Eingabe an die Landesregierung betr. sequestrierter Betriebe.Es muß vor allem den Belegschaften klar gemacht werden, daß eine aktive Betätigung der Belegschaft einsetzen muß, welche das Verständnis weckt, daß die sequestrierten Betriebe das zukünftige Volksvermögen darstellen, deshalb auch die Produktionsgenossenschaften nicht zur Diskussion stellen, denn das ist nur eine Umbildung des grossen Einzelkapitalisten in kleine Kapitalisten.Es müssen Entschließungen gefaßt werden, die den Willen der Belegschaft dokumentieren um den Betrieb als solchen in die Hände der Landesregierung überzuführen. Diese Entschließungen sind mehrere Male in veränderter Form zu wiederholen, z.B.
1. Entschließung : Die Belegschaft legt in einer Entschließung oder Resolution ihren Willen fest, den Betrieb in die Hände der Landesregierung zwecks Erhaltung des Volksvermögens für die gesamte arbeitende Bevölkerung zu überführen.
2. Entschließung: Den zukünftigen Aufbau des Betriebes personell (u.a. sogenannte tragbare ehem. Nazis) und produktionsmäßig der Landesregierung schildern, dabei auf die erste Entschließung hinweisen und nochmals das gleiche, nämlich die Überführung des Betriebes an die Landesregierung fordern.
3. Entschließung: Die Belegschaft warten auf eine Entscheidung der Landesregierung, damit sie mit vereinten Kräften und im Bewußtsein einer Tat von weittragender Bedeutung zeigen kann, daß sie sich verantwortlich fühlt, alles was zum Betrieb gehört, so zu erhalten, auszubauen und zu vermehren, damit das Volksvermögen erhalten und schließlich weitgehendst vermehrt wird.
Diese Resolutionen sind in Abständen von ca. 5 Tagen einzureichen. Bei der Behandlung der Besetzung der leitenden und sonstigen Stellen sollen die „Verbündeten“ nicht vergessen werden, das sind die Unternehmer, Betriebsleiter und Angestellten, die nach genauester Prüfung als für den Betrieb weiter tragbar von der gesamten Belegschaft anerkannt werden. Dabei ist strengster Maßstab anzulegen und dürfen keinerlei Konzessionen gemacht werden. Die „Verbündeten“ sollen neben ihrer eigenen Initiative ihre Arbeit und ihr Können den Betrieben restlos zur Verfügung stellen und damit beweisen, daß sie sich auch voll einsetzen, wenn es sich nicht um ihr Wohl, sondern um den Aufbau des neuen demokratischen Reiches handelt.
Diese Richtlinien dienen zur Bearbeitung durch die Betriebsgruppen und Betriebsräte.

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 658, Bl. 136r, 137r (ms. Ausfertigungn).